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AutorNachricht
Aurora Diaz
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BeitragThema: »Bahnhof   Mo 24 Jul - 21:22

»Die meisten Schüler kommen von den verschiedensten Orten. Da Lekandra keinen Flughafen besitzt, kann man die Kleinstadt nur mit dem Zug erreichen oder vielleicht auch noch mit dem Bus. Von da aus muss man vielleicht zwei Kilometer zum Internat gehen.
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Marcos Rivera

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BeitragThema: Re: »Bahnhof   Mo 31 Jul - 20:27

Mit einem resignierten Seufzen stellte Marcos fest, dass der Zug den Bahnhof von Lekandra erreicht hatte und die Zuggäste gebeten wurden, diesen zu verlassen, sofern es ihre Haltestelle war. Kurz überlegte der Jugendliche, nicht auszusteigen, aber verwarf die Idee direkt wieder. Wo sollte er schon hin? Familie hatte er nicht und es brachte ja eh nur einen Tadel und einen Vermerk ein. Also schnappte sich Marc seine Tasche und stand auf. Beim Herausgehen zog er sich noch einmal sein schon etwas zerschlissenes Basecap tiefer ins Gesicht, damit man nicht sofort das Veilchen an seinem linken Auge entdeckte. Sein neuer Betreuer bemühte sich zwar, die richtigen Familien zu finden, aber die letzte war wieder eine total beschissene Pflegefamilie gewesen. Sein Pflegevater war ein Säufer gewesen und noch immer spürte Marcos dessen Wutausbrüche an seinen Rippen. Und jetzt sollte er auf dieses dämliche Internat gehen, was angeblich für solche Kinder wie ihn gebaut worden war. Damit hatte sein Betreuer ausnahmsweise wenigstens nicht seine elendig lange Akte voller Lügen gemeint, sondern eben die Tatsache, dass er ein Feuerputz war, eine Art Feuerdämon, der in den Geschichten eigentlich immer als ein Wesen dargestellt wurde, das mit Vorliebe Häuser in Brandt setzte. Offensichtlich hatte sein Betreuer echt Angst davor, dass Marc so werden würde. Und irgendwie befürchtete es auch Marc. Inzwischen hatte er herausgefunden, dass seine Kräfte auch in gewisser Weise mit seinen Gefühlen verbunden waren. Er hatte daher etwas Bedenken, dass er irgendwann mal durch seine Wut etwas in Brandt steckte und Andere verletzte.
In seinen Gedanken verloren stieg Marcos aus und atmete erst mal auf. Die Luft hier Draußen war viel angenehmer. Sie war nicht so stickig und etwas kühler, als im Zug. Er war nicht der einzige, der ausstieg. Neben wenigen Erwachsenen strömten auch etliche Jugendliche aus dem Blechkasten auf Schienen. Ein paar waren alleine, vermutlich auch neu an der Schule, wenn sie deswegen hier waren. Andere liefen in kleinen Grüppchen schnatternd direkt auf den Ausgang zu. Marc jedoch hatte keine Lust, so schnell zu dem Ort zu gelangen, an dem er nun ein Jahr leben würde. Wenn es so eine Schule war, wie die, die er bereits besucht hatte, würde er eh nicht wirklich zufrieden dort. Vermutlich würden seine Mitschüler direkt von seiner Akte Wind bekommen und auf ihm herumhacken, da er sich keinen Fehltritt mehr leisten durfte, wenn er nicht vollends in eines dieser vollkommen überfüllten Kinderheime in New Mexico gesteckt werden wollte, wo die Pfleger meist noch grässlicher waren, als Marcs übliche Pflegefamilie. Daher drängte sich der Jugendliche zu einer ruhigeren Ecke durch und setzte seine Tasche wieder ab. Aus seiner Hosentasche holte er den zerknitterten Zettel, auf dem ihm sein Betreuer schilderte, wie er vom Bahnhof aus zum Internat kam. Die Schrift war nur nicht sonderlich die beste und bei einigen Wörtern kam der Junge schon ins Grübeln, was diese Hieroglyphen zu bedeuten hatten. Aber im Grunde wusste er schon, wo er lang musste. Er hatte sich schon selbst herausgesucht, wo er entlang laufen musste. Seufzend steckte er den Zettel wieder weg und sah unschlüssig dem letzten Strom an Passagieren hinterher, der durch den Ausgang floss. Das Jahr konnte ja nur heiter werden.
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Jiro Mishima

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BeitragThema: Re: »Bahnhof   Mo 31 Jul - 20:43

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Marcos Rivera
& Jiro Mishima

Das würde sicherlich ein tolles Jahr werden — nicht. Vermutlich könnte er es am Ende mit den vorhergegangenen Jahren auf anderen Internaten und Schulen vergleichen. Ärger hier, Feinde da, alles Kram, auf den er verzichten konnte. Auch wenn es hieß, man würde ihm hier beibringen, mit seinen Fähigkeiten umzugehen. Was Jiro nur zu gerne bezweifelte. Welches Internat schaffte schon FREIWILLIG und so öffentlich kleine Killermaschinen, um sie schließlich wieder auf die Welt loszulassen? Das war doch irgendwo bescheuert — auch wenn er wusste, dass dieses Internat nicht nur von tödlichen Dämonen und blutrünstigen Vampiren besucht wurde. Und man musste ja sowieso nicht gleich den Teufel an die Wand malen (auch wenn er das sowieso ziemlich gerne tat) — wie auch immer. Vielleicht sollte er sich das ganze erst live und in Farbe ansehen und dann erst urteilen. Oder dann erst zu dem Schluss zu kommen, dass er von Anfang an Recht gehabt hatte. Auch wenn es irgendwo ganz praktisch wäre, würde man ihm beibringen, mit seiner Fähigkeit effektiv umgehen zu können. Praktisch für ihn. Weniger praktisch für andere. Seine Mutter immerhin konnte es ihn schlecht lehren. Und würde es vielleicht sogar gar nicht tun, wenn sie denn dazu fähig wäre, doch genau konnte er es nicht sagen. Zwar schien die Dryade schon immer weniger begeistert von der Tatsache, dass die Menschen die Natur nach und nach ausrotteten und ihre grauen, trockenen Städte darüber bauten, doch würde sie es bestimmt auch nicht unterstützen, würde ihr Sohn den Menschen böses wollen. Wollte er das denn? Na-ja. Er war ja kein Monster. Nur eben lieber alleine — und in dem Fall war ein Internat eher suboptimal. Kein eigenes Zimmer, Unterricht in riesigen Klassen und Mittagessen an zu-großen Tischen.
Bei dem Gedanken an die Monate, die ihm bevorstanden, seufzte der Japaner laut, die dunklen Augen, die er die ganze Zeit über angestrengt geschlossen hatte, endlich öffnend. Seine dunklen Wimpern waren von seinem Kajal leicht verklebt, seine Sicht einen Moment lang etwas schwummrig, als wäre er gerade erst aufgewacht, und seine Laune gleich schon deutlich schlechter, kaum dass er die anderen herumwuselnden Gestalten erblickte. Klar, dass er in einem Zug nicht alleine sein würde — KLAR, dass heute viel los war, so am Tag der Anreise; erfreulich war es trotzdem nicht. Die Zugfahrt hatte ihn ohnehin schon genug gestresst. Ein vollgestopftes Abteil, schlechte Luft und das Rattern der Gleise, das ihn stetig begleitet hatte. Davor der Flug, der ebenfalls anstrengend gewesen war — von Japan in die USA war nicht gerade ein Katzensprung, sondern eine anstrengende Reise. Auch dass er vom heutigen Tag an vermutlich ausschließlich englisch sprechen musste, passte ihm einfach nicht. Er beherrschte die Sprache zwar — THEORETISCH — hatte vorher jedoch fast nie die Gelegenheit gehabt, tagelang ausschließlich englisch zu reden. So hatte er alleine die ganze Fahrt über geschwiegen, die Gesprächsfetzen aufgeschnappt, die inzwischen schon aufgeregter, unruhiger und schwerer verständlich geworden waren. Während jeder aus dem Zug stürmte, blieb er einen Moment lang einfach sitzen, um verzögert seinen Koffer aufzuheben und das Abteil zu verlassen, dem Bahnhof kaum Beachtung schenkend. Anstatt mit dem Strom zu gehen, der ihn vermutlich gleich an das Internat führen würde, begab er sich an den Fleck, auf dem pro Quadratmeter nicht acht Füße herumtrampelten, hob nun auch endlich den müden Blick und sah sich nach einer Karte um, die es allerdings und anscheinend nicht zu geben schien. Ja, er hatte sich informiert, doch sich unnütze Infos zu merken war wohl nicht seine Stärke. Erneutes Seufzen stieg aus seiner Kehle. Müsste er wohl jemanden ansprechen — und lange brauchte er nicht, um jemanden zu finden. Irgendeinen Typen, vielleicht jünger als er, der ruhig rumstand, irgendeinen zerknitterten Zettel wegpackte und den anderen hinterherschaute. Auf diesen Typen ging Jiro zu, ihn anblickend, um dann die akzentreiche Stimme zu heben, hoffend, dass er seine Worte nicht wiederholen müsste. "Gehst du auf's Aurora Internat?" fragte er also einfach, schüttelte dann aber den Kopf. War doch offensichtlich. Jetzt war nicht der Zeitpunkt für Smalltalk. "Weißt du wo das ist?" — Sein Ton war nicht unbedingt der freundlichste, wobei er nur hoffen konnte, dass der Braunhaarige ihm keine geladene Antwort geben würde. Er wollte nicht gleich am ersten Tag eine Diskussion entfachen. Dazu war er zu müde. Dennoch kniff er skeptisch die Augen zusammen, den Kopf etwas schief legend, als würde er versuchen, einen Blick unter die Basecap auf die Augen des Fremden zu erhaschen, einfach um sicher zu gehen, ob dieser überhaupt anwesend war und zuhörte.

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Marcos Rivera

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BeitragThema: Re: »Bahnhof   Mo 31 Jul - 21:21

Lange blieb Marcos mit seinen Gedanken über das Internat nicht alleine. Ein anderer Jugendlicher sprach ihn an und er fuhr ruckartig mit seinem Kopf herum. Der Kerl war ungefähr in seinem Alter, hatte schwarze Haare und wirkte etwas blass. Er fragte, ob Marc aufs Aurora Internat gehen würde, woraufhin Marcos nur knapp nickte. Daraus konnte man schließen, dass auch der Andere dahin gehen würde. Seine nächste Frage ließ es noch deutlicher werden. Ob Marc wusste, wo es war. "So in etwa.", antwortete er knapp und zog sich nochmal am Schirm der Basecap, damit der Kerl nicht das Veilchen sehen konnte. Erwachsene schien es nicht zu interessieren, wenn er mit so was rumlief, aber bei Mitschülern wirkte es eher als Magnet für Hänseleien oder eigene Schläge. Und Marc hatte nun wirklich keine Lust dazu, dass das Miese an dem Jahr schon hier begann. "War bisher noch nicht da.", meinte Marcos knapp und musterte kurz den Anderen. Man konnte deutlich sehen, dass die beiden Jungen aus verschiedenen Schichten kamen. Während der Kerl trotz Reise eher adrette wirkte, hing Marcos T-Shirt ausgeleiert an ihm herunter. Auch das war ein Zeuge der unendlichen 'Liebe', mit der ihn seine Pflegefamilien überhäufte. Dazu seine Jeans, die am linken Knie ein nicht gerade kleines Loch hatte und hier und da schon etwas ausgefranst war, und seine ausgelatschten Treter, die eindeutig zu klein waren, machte wohl deutlich, dass er nicht sehr viel Geld zu seiner Verfügung hatte. Seine Pflegeeltern hauten ja alles selbst auf den Kopf, selbst das für ihn bestimmte Taschengeld. "Sollen wir uns gemeinsam verlaufen oder reicht dir ein Zettel mit einer Handschrift, als hätte es King Kong geschrieben?", meinte Marcos, der aus der Frage des Anderen geschlossen hatte, dass er eine Ortsangabe benötigte. Eigentlich hatte er keine Lust, mit dem Kerl dahin zu laufen. Entweder es würde betretenes Schweigen geben, wobei sich beide etwas unbehaglich vorkommen würden, oder sie würden sich unterhalten und der Kerl vermutlich dann davon Wind bekommen, dass Marc ein Pflegekind war. Vermutlich würde das dann direkt in Hänseleien und dergleichen enden. Das wäre doch ein echt schöner einstieg ins Schuljahr. Darauf konnte Marc echt verzichten. Daher hoffte er ein wenig, dass man den Zettel wählte, auch wenn man damit wohl eher weniger anfangen konnte. Marcos selbst hatte ja Probleme, obwohl er die Handschrift schon recht gut kannte. Die Handschrift seines früheren Betreuers war dafür leider um so besser. Kein Wunder, dass die meisten nur auf dessen Lügen achteten, wenn sie die handschriftliche Version der Akte lasen.
Naja, wie auch immer sich der Andere entscheiden würde, Marc sollte sich vermutlich dann doch mal auf den Weg machen. Er griff daher wieder nach seiner Tasche und schulterte sie. Sie war leicht, die von dem Anderen war vermutlich schwerer und der hatte bestimmt auch mehr Sachen mitgenommen. Marc reichten eigentlich seine Sachen, aber was würde er nicht alles tun, um endlich neue Schuhe zu bekommen, oder ein T-Shirt, dessen Kragen noch nicht ausgeleiert war, oder eine Jeans, die noch keine Löcher hatte. Dann würden Andere vielleicht auch nicht immer sofort das Pflegekind ihm ansehen. zum Glück würde es nicht mehr lange dauern, bis er volljährig war und sich verkrümeln konnte.
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Jiro Mishima

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BeitragThema: Re: »Bahnhof   Di 1 Aug - 11:51

Marcos Rivera
& Jiro Mishima

Das Internat würde sicherlich eine ganze Sammlung an unterschiedlichen Gestalten sein. Menschen, Halbgötter, andere Freaks — wobei Jiro im Zug niemand wirklich ins Auge gefallen war. Dennoch hatte der 19-Jährige keine Lust auf das ganze. Zwar könnte man meinen, dass es für ihn spannend werden könnte, (er hatte immerhin noch nie mit einem nicht-ganz-menschlichen Jemand gesprochen, sah man einmal von seiner Mutter ab. Doch ansonsten war er immer von Menschen umgeben gewesen.) das Bedürfnis, das nachzuholen, hatte er allerdings nie gespürt — und wurde jetzt eher dazu überredet. So konnte er nicht einmal in Ruhe im Internat ankommen, sondern wurde (von sich selbst) dazu gezwungen, jemanden anzusprechen, schlicht und einfach weil ihm der Weg entfallen war. Dabei schien dieser Jemand nicht einmal besonders offen, schien ihm partout nicht in die Augen sehen zu wollen und antwortete mit knappen Teilsätzen, als wolle er seine Luft nicht für Jiro verplempern. Anstatt weiter zu versuchen, dem Fremden in die Augen zu sehen, ließ der Hitodama seinen Blick einfach über dessen Körper gleiten, über die scheinbar alte und offensichtlich kaputte Kleidung und die am Boden liegende Tasche. Doch driftete seine Aufmerksamkeit schnell ab, er verschränkte die Arme vor der Brust und blickte sich stattdessen an dem Bahnhof um, den Worten seines Gegenübers weiterhin lauschend. Er schien es also genauso gut zu wissen wie Jiro selbst. Auf das Angebot hin schwieg der Japaner einige Herzschläge lang, wobei es fast so wirkte, als hätte er es schlicht und einfach nicht gehört — dabei ordnete er die Worte mehr in seinem Kopf und dachte einen Moment lang über die Antwort nach, bevor er seinen Blick wieder auf den Fremden heftete. "Nichts von beidem." gab er zurück, eine Augenbraue anhebend, wobei er sich nicht einmal sicher war, ob sein Gegenüber es überhaupt sah — warum auch immer er seine Augen versteckte, Jiro schien es gerade nicht in Erfahrung bringen zu wollen. Jedenfalls wollte er sich WEDER verlaufen, NOCH war er scharf darauf, mit einer unleserlichen Karte auf Schatzsuche zu gehen.
Mit einer Geste der Hand wischte er seine Worte wieder aus der Luft als wären es Fliegen, den Kopf tadelnd schütteln, als würde er sich selbst eines besseren belehren. Der andere hob währenddessen schon seine Tasche auf, als wolle er den Bahnhof schnellstmöglich verlassen. "Vielleicht ist der Weg ja ansatzweise ausgeschildert." Er griff nun ebenfalls nach seinem Koffer, der wie auch seine Kleidung, kohlschwarz war, zog diesen ein Stück an sich hinein und kniff dann wieder die schmalen Augen zusammen, den Fremden so fast anfunkelnd. "Die Schilder und das Gekritzel auf deinem Zettel sollten uns doch ansatzweise eine Richtung weisen." — fast ironisch. Jiro jedenfalls würde die Richtung sicherlich nicht vorgeben. Er immerhin war als Irrlicht eher dafür bekannt, andere in den sicheren Tod zu führen. Und das wollte er weder sich selbst, noch dem unbekannten Fremden antun. "Okay?" fragte er noch, nach Bestätigung suchend, anschließend einen Schritt zurücktretend, so andeutend, dass er loslaufen würde. "Meine Augen verwandeln dich übrigens nicht zu Stein." murrte er noch, so die Tatsache ansprechend, dass der Jüngere seinem Blick nicht ausweichen würde. War doch auch irgendwie unhöflich, nicht? Zumindest in der Gegend, aus der Jiro herkam. Doch war er ohnehin VÖLLIG ANDERE Sitten und eine komplett andere Kultur gewohnt. Hier müsste er sich ja sogar an die Betten, an das Essen und an Kleinigkeiten wie Anreden gewöhnen.

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Marcos Rivera

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BeitragThema: Re: »Bahnhof   Di 1 Aug - 13:54

Hatte Marcos nicht vorhin noch gemeint, das Jahr würde heiter? Das war es mit diesem Kerl bereits. Vielleicht hätte Marc wirklich einfach im Zug sitzen bleiben sollen und dann mal sehen, wo er wieder auftauchte. War aber vermutlich besser als hier. Was hatte sich sein Betreuer nur dabei gedacht, ihn auf dieses Internat zu schicken? Glaubte er wirklich, dass er sich da wohlfühlen würde? Internate waren in der Regel teuer. Bei ihm zahlte es zwar das Jugendamt, aber bei den Anderen waren es garantiert die reichen Eltern, die vermutlich ihre Kinder auch mit Geld überhäuften. Daraus konnte man also schlussfolgern, dass das ganze Internat vollgestopft sein würde mit reichen, verwöhnten Jugendlichen, die garantiert das auch immer zeigen mussten. Nach Marcs Erfahrungen war der reiche Durchschnittsjugendliche so überhebliche, wie man nur sein konnte. Er nutzte andere schamlos aus und über Freunde wurde hinterrücks gelästert. Es war nicht in seiner Natur vorgesehen, sich mit dem niederen Volk abzugeben. Wenn man sich mit diesem also beschäftigte, dann nur um es in seine Schranken zu verweisen oder sich Späße auf dessen Kosten zu leisten. Wie waren wohl sonst solche Bemerkungen, wie 'körperlich aggressiv gegenüber Mitschülern' in Marcs Akte gelandet? Zwar unterdrückte Marc seine Wut, aber er ließ sich eben nicht alles bieten. Schon gar nicht, wenn ein paar Idioten meinten, ihn in einen Kampf fünf gegen einen zu verwickeln. Und dieser Kerl hier ging ihm irgendwie allmählich auf die Nerven. Das fing damit an, dass er meinte, dass er sich weder verlaufen wollte noch Marcs Zettel, um den Weg zum Internat zu finden.
Hatte der Siebzehnjährige nun gehofft, dass der Kerl sich woanders Hilfe suchte, so wurde er enttäuscht, als er seine Tasche geschultert hatte und der Kerl meinte, dass vielleicht der Weg ansatzweise ausgeschildert war. Mit Marcs Zettel zusammen sollte das ihnen doch ansatzweise die Richtung deuten. Der Ton in der Stimme des Anderen blieb für Marcos nicht unentdeckt. "Ja", grummelte Marc daher knapp, als Antwort auf dessen Frage, und wollte sich gerade in Bewegung setzen, als der Kerl noch meinte, dass seine Augen Marc schon nicht in Stein verwandeln würden. Kurz sah Marc ihn an. "Aber meine vielleicht dich.", brummte er und trat an dem Kerl vorbei. Es stimmte nicht, aber so würde er vielleicht den Anderen los. Und alles, was er eigentlich verstecken wollte, war dieses dämliche Veilchen, was ihm sein letzter Pflegevater noch mit auf den Weg gegeben hatte. Es schimmerte rötlich blau um sein linkes Auge, was noch immer leicht zu geschwollen war. Das brauchte einfach niemand zu sehen.
Nach wenigen Metern hielt Marc nochmal an und setzte sein Tasche ab. Er war es normalerweise gewohnt, seine Tasche über der linken Schulter zu tragen, aber da war auch der noch schmerzende Rippenbogen. Als er die Tasche geschultert hatte, hatte er nicht mehr dran gedacht, da sie nur bei bestimmten Bewegungen schmerzte und bei Belastung. Zwar war die Tasche nicht schwer, aber das Gewicht reichte trotzdem, um ein schmerzhaftes Stechen hervor zu rufen. Daher wechselte Marc die Schulter, mit der er die Tasche trug, und versuchte möglichst unauffällig seinen linken Arm gegen die Rippen zu drücken. Dann setzte er sich auch schon wieder in Bewegung. Diesmal etwas schneller, um dem Anderen keine Möglichkeit zu bieten, näher auf sein Verhalten einzugehen. Um so schneller er den Kerl los war, desto besser. An ein paar Leuten musste er sich noch vorbeikämpfen, bevor er aus dem Ausgang auf die Straße trat und Richtung Internat losmarschierte.

Tbc: Wo?
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Jiro Mishima

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BeitragThema: Re: »Bahnhof   Di 1 Aug - 15:00

Marcos Rivera
& Jiro Mishima

Dass er sich schon gefragt hatte, welche Fähigkeit der Braunhaarige ihm gegenüber hatte, war unumgänglich. Vielleicht hatte er ja auch gar keine, war ein normaler Mensch und wurde von überfürsorglichen Eltern dazu gezwungen, dieses ganz besondere Internat zu besuchen, einfach um sich mit der modernen Welt und den ganzen besonderen Schneeflocken bekannt zu machen? Sowas tat sich ja bestimmt auch ganz toll auf dem Abschlusszeugnis — auch wenn Jiro den Aspekt der fürsorglichen Eltern bei genauerem Nachdenken schon wieder aus seinem Kopf strich. Überfürsorgliche Eltern würden ihren 16-, 17-, höchstens 18-Jährigen Sohn sicherlich in tollen Klamotten verpacken, anstatt ihn mit kaputtem Stoff auf die Reise zu schicken. Und hierbei handelte es sich sicherlich nicht um eine rebellische Phase, dazu war sein Gegenüber doch zu alt. Und sicher würden sie ihr ein-und-alles nicht lediglich mit einem vollgekritzelten Zettel zum Internat führen — oder etwa doch? Im Endeffekt ging es Jiro nichts an und interessierte ihn auch nicht unbedingt. Er würde den anderen sowieso nie wieder ansprechen — glaubte er. Sie gingen sicherlich nicht in dieselbe Klasse, noch dazu wäre es wirklich ein äußerst unglücklicher Zufall, würden sie im gleichen Zimmer landen. Was er bezweifelte. Normalerweise war er zwar jemand, der Geschichten aller Art recht unterhaltsam fand, jedoch nicht nach einer so langen Reise und einem abartigen Jetlag. Dass seine unfreundliche Stimmlage und die bestimmenden Sätze dem Jüngeren anscheinend nicht ganz passten, wurde Jiro langsam klar — was ihn fast amüsierte, er es allerdings nicht ansprach und sich sowieso nicht den Kopf darüber zerbrach. "Ja." wiederholte er die Bestätigung also fast gut gelaunt, wobei selbst dieses kurze Wort aus seinem Mund etwas fremd klang, durch den Akzent anders.
Auf die nächste Aussage hin entgegnete er nichts, blieb lediglich kurz stehen, die Mundwinkel nach unten ziehend. Natürlich. Er war nicht der beste darin, sympathisch zu wirken — wollte er auch gar nicht. "Glaub ich dir sofort." knurrte er also in sich hinein, sogar auf seiner Muttersprache, als wolle er jetzt keinen allzu großen Stress anfangen oder als Statue enden. Was nicht heißen sollte, dass er Angst oder Respekt vor dem Jüngeren hatte. Er drehte sich also mit seinem Koffer um, den anderen kurz bei seinem Tun beobachtend. Wirklich ausgeruht wirkte der Namenlose nicht unbedingt. Ändern konnte Jiro das nicht. Beziehungsweise — könnte, wollte aber nicht. Die Wahl zwischen Anstrengung und ewigem Stress, der in den Wahnsinn führte, fiel doch dann sowieso aufs erste. Das einzige, was er wirklich noch tun könnte, war den anderen seiner Flamme hinterher zu locken — diese wirkte immerhin geradezu hypnotisierend — doch war Jiro kein Taxi, der andere von A nach B kutschierte. Gegen Anstrengung gab es weitaus BESSERE Mittel. Kaffee trinken half da schon eher. Genauso wie teuren Whisky saufen.
Er folgte dem Braunhaarigen also, sich ebenfalls an den anderen vorbei gen Ausgang drückend, wobei ihm durchaus auffiel, dass der Jüngere anscheinend kein Interesse daran hatte, sich zu unterhalten. "Vielleicht hätte ich doch besser deinen Zettel klauen und abhauen sollen, was?" kommentierte er das Ganze seufzend, zog die Schultern an und tappte weiter. "Stell dich nicht so an, du bist genauso Frischfleisch wie ich es bin. Ich werd' dich nicht am ersten Tag zerrupfen, das mach ich erst später." — versuchte er etwa, die Launen des anderen zu besänftigen? Vielleicht. Aber auch nur, weil es ihn nervte.
tbc: Schulhof
[da bleibt ja nur der Schulhof übrig :'D]

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